Der Begriff „Filterblase“ geht auf Eli Pariser zurück, welcher den Begriff in seinem Buch „Filter Bubble – Wie wir im Internet entmündigt werden“ (2011) geprägt hat. Eine Filterblase bezeichnet ein von Computern erschaffenes, eigenes Informationsuniversum. Es wird angenommen, dass Filterblasen durch den Einfluss von Maschinen und Algorithmen basierend auf vorhandenen Nutzerinformationen, beispielsweise Suchverlauf und Klickverhalten, erfolgt.
„Der Begriff der Filterblase (auch Informationsblase) kommt aus der digitalen Welt und beschreibt das Phänomen, dass Webseite und Plattformen mit Hilfe entsprechender Algorithmen den Einzelnen nur oder hauptsächlich Informationen und Meinungen einblenden, die mit den bisherigen Ansichten und Interessen weitgehend übereinstimmen“ (Redaktion Digitalwiki, 2017, Absatz 1). Diese Definition verdeutlicht, dass die bisherige verkürzte Sprechweise über das Informationsuniversum aussagt, dass jeder Einzelne lediglich Informationen und Meinungen als Ergebnisse erhält, die seine bisherigen Ansichten stützen. Mithin könnte die Filterblase auch als „Effekt der Vorsortierung von Online-Inhalten durch Software auf Basis des Surfverhaltens und weiterer Merkmale wie Ort oder verwendetes Endgerät“ (Fromme, 2016, S. 19) definiert werden. Das wiederum führt dazu „im Internet bevorzugt Suchergebnisse zu erhalten, die aufgrund persönlicher Neigungen zum eigenen Weltbild passen“ (Fromme, 2016, S. 19). Dieser Effekt durch das Anzeigen von kompatiblen Meinungen führt möglicherweise zu einer Isolation gegenüber anderen Informationen und konträren Standpunkten. Dies führt dazu, dass der Begriff der Filterblase in aktuellen Diskussionen häufig negativ konnotiert ist.
Bei der Filterblase handelt es sich um eine Individualisierung
beziehungsweise Personalisierung von Online-Inhalten,
die dazu führt, hauptsächlich kompatible Meinungen
und Informationen zu erhalten, wobei diese Filterung von
anzuzeigenden Nachrichten auf Interessen und Meinungen
des Nutzers beruht. Tracker verfolgen online algorithmisch die
Daten und Informationen, die ein User im Internet hinterlässt.
Anhand der dadurch gewonnen Daten werden Profile erstellt,
mithilfe derer über bestimmte Algorithmen personalisierte
Informationen zur Verfügung gestellt werden.
Diese Algorithmen fungieren wie sogenannte Gatekeeper. Ein
Phänomen, dass besonders aus der Nachrichtenforschung
bekannt ist. „Ein Gatekeeper (Pförtner, Torwächter,
Informationsregulator) entscheidet darüber, welche
Informationen zu den Zuschauern bzw. Nutzern durchgelassen
werden und welche nicht“ (bpb, 2022, Absatz 1).
Ihre Funktion ist also aus der Fülle täglicher Ereignisse die
wichtigsten auszuwählen und dem Publikum zu präsentieren.
Im positiven Sinne führt dies zur Qualitätssicherung,
da journalistische Qualitätsstandards, beispielsweise
Unabhängigkeit und Ausgewogenheit der Berichterstattung,
eher gewährleistet werden. Es kann jedoch auch negative
Auswirkungen geben, die das Publikum stark einschränken.
Das ist insbesondere in Diktaturen in Form von Vorzensuren
präsent (bpb, 2022, Absatz 2). Vor allem bei Onlinemedien
kann nicht vorausgesetzt werden, dass Inhalte zuvor auf ihre
Richtigkeit geprüft wurden.
Die Grundlage der Entstehung von Filterblasen bildet das
Tracking, als die Nutzerverfolgung im Internet. Tracke verfolgen
und analysieren mittels spezieller Algorithmen dein Online-
Verhalten, um dann das Internet bzw. die Suchergebnisse
für dich zu personalisieren. Das ermöglichst auch, dass dir
„personalisierte“ Werbung ausgespielt wird. Problematisch ist
das Tracking aus dem Grund, dass viele User gar nicht wissen,
dass sie getrackt werden und welche Informationen getrackt
werden. Für Werbetreibende ist, dass jedoch eine Möglichkeit
durch gezielte Produktplatzierungen mehr Gewinn zu machen.
Sie profitieren von der Kommerzialisierung des Internets
(Pariser, 2012, S. 14).
All das, und vor allem der Einsatz von Algorithmen trägt
maßgeblich zur Entstehung von Filterblasen bei.
Diese Mechanismen stecken hinter der Filterblase
Hinter einer Filterblase stecken verschiedene Mechanismen.
Diese sind in der Regel wirtschaftlich, persönlich oder
gesellschaftlich ausgerichtet.
Vereinfacht betrachtet bringt die Entwicklung von Filterblasen
Profit. Der Antrieb der Personalisierung und damit der
Entstehung von Filterbubbles ist der Datengewinn, denn diese
sind ein kostbares Gut. Pariser (2012) betont, dass eine starke
Personalisierung angebotener Informationen eher dazu führt,
dass die angebotenen Produkte gekauft werden (S. 14).
Durch Tracking-Dienste wie Google Analytics werden
die Nutzerdaten anhand vergangener Daten zu Standort,
Klickverhalten oder Suchhistorie erfasst und zur gezielten
Platzierung von Werbeanzeigen weiterverwendet.
Auf diese Weise entstand zudem auch das sogenannte
Clickbaiting: Inhalte im Web werden durch Clickbait
(Klickköder) hervorgehoben. Das führt im Idealfall zur Erhöhung
von Reichweite, die wiederum Markenbekanntheit und
folglich auch höheren Einnahmen bewirkt. „Die Algorithmen,
die unsere Werbeanzeigen arrangiere, beginnen auch unser
Leben zu arrangieren“ (Pariser, 2012, S. 17). Das Phänomen
Filterblase beeinflusst in allem, was wir tun: welchen Film wir
ansehen, welche Kleidung wir als nächstes kaufen. Es nimmt
Einfluss auf unsere Wahrnehmung.
Die Folgen der Personalisierung sind komplex. So komplex,
dass es schwierig ist, diese vollständig zu erfassen. Filterblasen
sind unsichtbar. Wir wissen nicht, in welcher wir sitzen. Anders
als bei Zeitung und Fernsehen, wo wir bewusst gefilterte
Informationen konsumieren, haben wir unsere Kriterien bei der
Wahl von Onlinemedien nicht selbst festgelegt. Das kann zu
der Schlussfolgerung, dass angezeigte Informationen neutral,
objektiv und wahr sind. Doch genau hier liegt die Gefahr von
Filterblasen. Das Urteilsvermögen wird geschwächt, eine
Reflektion findet kaum noch statt. Pariser (2012) betrachtet
dies als besonders kritisch, denn „sich selbst überlassene
Personalisierungsfilter dienen einer Art unsichtbaren
Autopropaganda, die uns mit unseren eigenen Vorstellungen
indoktriniert, unser Verlangen nach uns bekannten Dingen
steigert und uns die Gefahren vergessen lässt, die im Bereich
des Unbekannten lauern“ (S. 22). Das kann zu einer Isolation
auf persönlicher Ebene führen. Diese führt wiederum dazu,
dass neue Informationen „weggefiltert“ werden und uns unsere
Meinung und Interessen permanent als Spiegel vorgehalten
werden (S. 22).
Hier kommt schließlich die Echokammer zum Einsatz. Der
Echokammer-Effekt ähnelt der Filterblase und beschreibt,
wie es durch den verstärkten virtuellen Umgang mit
Gleichgesinnten in sozialen Netzwerken zu einer Verengung
der Weltsicht kommt.
Die sogenannte „Echokammer“ ist ein mit dem Konstrukt „Filterblase“ verwandtes Konzept. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Bereich der Akustik. Laut Duden (2022) ist eine Echokammer ein „den Hall verstärkender Raum in einem Tonstudio“ (Duden, 2022), wobei diese Verstärkung des Halls auf Kommunikationsprozesse übertragen wurde.
Hilscher (ohne Jahr) definiert die Echokammer als
„metaphorische Beschreibung einer Situation, in der
Überzeugungen durch Kommunikation und Wiederholung
innerhalb eines geschlossenen Systems vertieft oder gefestigt
werden“ (ohne Jahr). Duden (2022) ergänzt zudem die
Definition im Bereich der EDV. Demnach handle es sich bei
einer Echokammer um einen „[einer Filterblase ähnlicher]
überwiegender oder ausschließlicher [virtueller] Kontakt mit
Gleichgesinnten und deren Auffassungen, insbesondere in
sozialen Netzwerken“ (Duden, 2022). Dieser Umgang mit
Gleichgesinnten führt zu einer gegenseitigen Verstärkung
der eigenen Position (Berger, 2015) unabhängig von der
Faktenlage. Das wiederum könne zu Bestätigungsfehlern
führen (Meyer, 2017).
Wie sich Echokammer und Filterblase gegenseitig verstärken
Auch, wenn die Begriffe Echokammer und Filterblase häufig
synonym verwendet werden, lassen sich Unterschiede
zwischen den Konstrukten erkennen. Die Filterblase fokussiert
sich besonders auf die Filterung von Informationen mit Hilfe
von Algorithmen, weshalb dem bestimmten Nutzer in sozialen
Netzwerken beispielsweise Inhalte, wie Posts „von der anderen
Seite“ nicht angezeigt werden. Dem gegenüber steht die
Echokammer, bei der die Kommunikation mit Gleichgesinnten
im Vordergrund steht. Beide Effekte treten zeitgleich auf,
wenngleich sie sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen.
So können Filterblasen als Verstärker für Echokammer-Effekte
fungieren und andersrum verstärkt die Echokammer die
Filterblasen.
Finia Fischer, Sandra Krauter, Benno Michaelsen